Es war einmal ein Kater

Es war einmal ein Kater namens Wotan, der wollte was erleben und machte sich eines Tages auf in die weite Welt. Alles war so aufregend und fremd, viele neue Gerüche, fremde Tiere und Menschen. Es war ganz anders als daheim und Wotan gefiel sein neues Leben, so frei und ohne Grenzen. Als er nach zehn Tagen schon etwas müde und hungrig an einem Gebäude vorbeikam, lud ihn eine dort offenstehende Tür zu einem Besuch ein. Es war ein Sonnenstudio mit netten Damen, die ihn streichelten und fütterten. Und er fand auch ein schönes Plätzchen zum Schlafen. Wotan gefiel es dort sehr gut und er wäre gerne geblieben. Die Chefin des Sonnenstudios hätte ihn auch gerne behalten, aber schließlich handelte es sich um ein Sonnenstudio und da haben Katzen nichts verloren.

 

Die Chefin hatte keine Ahnung, wo Wotan herkam und was sie mit ihm machen sollte und so brachte sie ihn am Abend des kommenden Tages kurzerhand zum nächsten Tierarzt. So ein Tierarzt werde schon wissen, was man mit einem kleinen Kater macht, dachte sich die Chefin. Wotans Enttäuschung war groß, so hatte er sich sein Abenteuer nicht vorgestellt. Schließlich wollte er doch erst einmal im Sonnenstudio bleiben und jetzt war er in einer Tierarztpraxis, eingesperrt in einem kleinen Käfig. Aus und vorbei war es mit der Freiheit und dem schönen Leben. 

 

Nach drei langen Nächten und zwei ebenso langen Tagen kam nicht etwa die Mama, um Wotan abzuholen. Wotan konnte seinen Augen kaum trauen. Da kam eine ganz fremde Frau, steckte ihn in eine andere Box, die anschließend in ein Auto kam und los ging die Fahrt. Gut, dachte Wotan. Da erleb' ich wenigstens 'was. Bin 'mal gespannt, wo die Reise hinführt.

 

Bald schon endete die Reise und Wotan wurde in ein großes Gebäude gebracht, in dem viele andere Katzen in kleinen Zimmerchen lebten. Es gab dort auch Hunde. Aber die waren woanders untergebracht. Und anscheinend hatten all die vielen Tiere niemanden mehr und hofften alle auf ein neues und besseres Zuhause. Wotan kam aber nicht zu den anderen Katzen, mit denen er so gerne gespielt und sich gebalgt hätte. Er hätte denen auch so einiges zu erzählen gehabt und die ihm sicherlich auch. Nein, Wotan wurde nun in eine andere kleine Box in einem kleinen dunklen Nebenzimmer, getrennt von den vielen anderen Katzen, gesetzt. Ganz alleine saß er nun in seiner Box und wusste gar nicht, wie ihm geschah. So hatte er sich sein Abenteuer wirklich nicht vorgestellt.

 

Fünf lange Nächte und fünf lange Tage saß Wotan in dieser kleinen Box, bis die nette  Tierheimmitarbeiterin mit einem Lesegerät langsam an seinem Körper entlangfuhr und das Gerät schließlich etwas anzeigte. Stimmt, dachte Wotan, die Mama hat mich doch chippen lassen und bei TASSO hat sie mich auch registriert, damit ich nicht verloren gehe. Hätte man auch schon früher draufkommen können, dachte sich Wotan. Schließlich bin ich ein gut aussehender und gepflegter Kater, der den Menschen gegenüber aufgeschlossen ist und auf diese zugeht. Und kastriert bin ich auch noch. Die Tierheimmitarbeiterin jedenfalls freute sich, setzte sich an ihren Schreibtisch und telefonierte mit TASSO. Jetzt ging alles ganz schnell. Es dauerte keine 45 Minuten, bis eine überglückliche Katzenmama ihren mindestens ebenso glücklichen Wotan in die Arme schloss. Nun habe ich genug von der Welt gesehen, dachte sich Wotan. Schlussendlich war ich die Hälfte meiner Reise von den Menschen in irgendwelche kleinen Boxen gesperrt worden. Und wenn die nette Tierheimmitarbeiterin nicht so pfiffig gewesen wäre, säße ich vielleicht heute noch im Tierheim oder wäre bei fremden Leuten untergekommen. Aber daheim ist es doch am schönsten. Nun will ich nicht mehr weg.

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