Die schöne Helena

Nachdem die schöne und schüchterne Helena bereits seit Ende November 2016 bei uns lebt, möchte ich sie nun doch kurz vorstellen. Lange habe ich mir das überlegt, da ich einfach nicht möchte, dass ihr Fall Schule macht und wir auch keine  zehnte oder elfte Katze aufnehmen werden. Bei allen unseren neun Katzen handelt es sich um Katzen aus der Tierhilfe, an die wir mehr oder weniger freiwillig geraten sind. Schon alleine mein Zeitaufwand ohne den meines Mannes für die Versorgung, Betreuung und Bespaßung unserer - teilweise chronisch kranker - Samtpfoten beansprucht mehrere Stunden meines Tages. Tierarztbesuche sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. 

 

Der finanzielle Aufwand, den wir komplett aus eigener Tasche stemmen, ist nicht unerheblich. Ohne meinen Mann, der mich in jeder Hinsicht unterstützt, und den Verzicht auf vieles für uns selbst wäre dies sowieso alles gar nicht möglich. Auch deshalb, weil ich so geschickt bin, was z.B. spritzen, Medikamente verabreichen und zwangsfüttern anbelangt, ist eine Versorgung unserer Katzen auf diesem Niveau überhaupt erst möglich. Und da jedem und auch uns Grenzen gesetzt sind, können und wollen wir aus all den vorstehend genannten Gründen keine weitere Katze mehr aufnehmen.

 

Helena und ihren Katerkumpel habe ich Ende Oktober 2016 zum allerersten Mal betreut und dann gleich für drei Wochen. Normalerweise lehne ich Betreuungen, die über zwei Wochen hinausgehen ab und bei Neukunden erst recht. Aber, hier wurden die Karten nicht ehrlich auf den Tisch gelegt und so habe ich trotz meiner Grundsätze die Betreuung der beiden damals 14-jährigen Britisch Kurzhaar übernommen.

 

Das fortgeschrittene Darmlymphom bei Felix wurde dann auch erst einmal verschwiegen. So, wie die Betreuung im Vorfeld bereits begonnen hatte, setzte sie sich dann auch fort und Felix starb nach der erste Woche meiner Betreuung an seinem Tumor. Die äußerst scheue Helena, die ich bis dahin kaum bis gar nicht zu Gesicht bekommen hatte, begann dann nach Felix' Tod etwas aufzutauen, wollte aber nach wie vor kaum essen. Ich bin dann zweimal täglich, ohne dies dem Kunden jemals in Rechnung gestellt zu haben, für jeweils ca. eine Stunde zu Helena gefahren und habe mich um sie gekümmert. Während dieser verbliebenen zwei Wochen meiner Betreuung wurde Helena zwar zutraulicher, war aber immer noch sehr schüchtern.

 

Da Felix und Helena schon seit einiger Zeit nicht mehr so wirklich in das Leben des damaligen Kunden gepasst haben, dieser in den vergangenen Jahren häufig unterwegs gewesen war, die beiden Katzen oft tagelang alleine gelassen hatte und ich die scheue und mittlerweile einsame Helena über drei Wochen hinweg kennenlernen konnte, ermöglichten wir es ihr, Ende November 2016 bei uns einzuziehen. 

 

Aufgrund ihrer Lebensumstände, vor allem der letzten Jahre, hat Helena insbesondere in psychischer Hinsicht ihr Päckchen zu tragen. Sie ist sehr, sehr schüchtern, isst u.a. sehr schlecht und braucht deshalb immer wieder einen Appetitanreger. Deshalb waren schon mehrere Tierarztbesuche und Untersuchungen, u.a. auch ein Herzultraschall, erforderlich. Eine physische Ursache für Helenas mangelnden Appetit und ihren Gewichtsverlust konnte nicht gefunden werden. Auch nachdem ihre Zähne im Februar diesen Jahres saniert worden waren, besserte sich ihr Appetit nicht. 

 

Der ehemalige Katzenbesitzer, in dessen Haushalt Helena 14 Jahre lang gelebt hatte, also von klein auf, war im August 2007 das letzte Mal mit ihr beim Tierarzt gewesen. So wurden auch nicht Helenas Bluthochdruck, die chronische Iritis beidseits mit Irismelanose rechts erkannt. Nicht nur wegen ihres Bluthochdruckes, sondern auch wegen ihrer Augenerkrankung muss Helena nun zeitlebens täglich Medikamente bekommen.

 

Diese Geschichte zeigt mal wieder, dass Katzen viele Jahre alt werden können und sich während dieser Zeit das Leben des Katzenhalters grundlegend verändern kann. Das ehemals für das Kind angeschaffte Kätzchen ist immer noch da, während der Sohn oder die Tochter bereits das Haus verlassen haben. Dann stirbt auch noch der Partner und der neue mag keine Katzen. Die Katze ist aber immer noch da und läuft nur so nebenher, es kümmert sich keiner so richtig um sie, artgerechte Haltung ist ein Fremdwort. Man sitzt das aus und hofft, das "Problem" wird sich schon von alleine lösen. Tut es aber nicht.

 

Deshalb meine Bitte an alle:

     

Denken Sie nach und prüfen Sie sich, ob Sie tatsächlich für so viele Jahre Ihres Lebens die Verantwortung und die Verpflichtung, nicht nur in zeitlicher, sondern auch in finanzieller Hinsicht, die so eine Katze mit sich bringt, eingehen möchten und auch dazu in der Lage sind, bevor Sie eine Katze oder ein anderes Tier bei sich aufnehmen. Tiere sind Lebewesen, die auch eine Seele haben. Sie können Sie nicht einfach "entsorgen" oder das "Problem aussitzen".

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Kommentare: 1
  • #1

    Marlene (Montag, 12 Juni 2017 22:18)

    Wirklich ein ganz hübsche, die Helena.

    Es ist immer traurig zu sehen, wie manche Tiere einfach irgendwann nur nebenher laufen. :/

    LG
    und ein Knuddler für Helena
    Marlene