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Sonnenbaden und Hautkrebs bei Katzen

Was geschehen ist:

Unsere Katzen sind zwar Wohnungskatzen, verfügen aber seit Jahren über ein Freigehege hinter dem Haus und über eine große gesicherte Terrasse vor dem Haus. Beide Bereiche sind jederzeit frei zugänglich über je eine Katzenklappe. All die Jahre über war für uns Sonnenschutz und Hautkrebs bei Katzen kein Thema gewesen, zumal unsere Samtpfoten sich jederzeit ins Haus zurückziehen bzw. den Schatten im Freien aufsuchen können. Auch ein Sonnenbrand ist uns nie bei einer unserer Katzen aufgefallen.

 

Seit ein paar Wochen ist nun alles anders. Im März fiel zuerst meinem Mann ein kleiner schwarzer Punkt an dem Nasenspiegel unserer 11-jährigen Glückskatze Hanni auf. Heute wissen wir, dass Hanni mit ihrer fehlenden Pigmentierung im Gesichtsbereich insbesondere an unbehaarter exponierter Stelle, sprich am Näschen, prädestiniert für Hautkrebs ist. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Hanni, eine wahre Sonnenanbeterin, leider den Schatten wie der Teufel das Weihwasser meidet. Das war uns bis dato so nicht bewusst gewesen.

Bild: Hanni mit Hautkrebs am Nasenspiegel

Hanni mit der veränderten Hautstelle am rechten Nasenspiegel

Ein umgehender Besuch bei einer Hauttierärztin in der Nähe ergab erst einmal Entwarnung. Anfang Mai 2018 hatte Hanni einen Termin zur Zahn-OP bei Herrn Dr. Eickhoff. Nachdem das schwarze krustige Pünktchen einfach nicht verschwinden wollte, wurde es dann prophylaktisch von Herrn Dr. Eickhoff, nachdem Hanni sowieso in Narkose lag, entfernt.

 

Lt. histopathologischem Untersuchungsbericht handelt es sich um ein Carcinoma in situ - ein Karzinom, das die Basalmembran noch nicht durchbrochen hat, also um ein frühes Tumorstadium. Leider kann das Vorliegen eines Plattenepithelkarzinoms nicht vollständig ausgeschlossen werden. Eine Beurteilung, inwiefern im gesunden Gewebe operiert worden ist, ist nicht möglich. Von der anschließend hinzugezogenen Onkologie/ Strahlentherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München wird zunächst eine engmaschige Kontrolle von Hannis Näschen empfohlen, bei Bedarf eine photodynamische Therapie (PDT).

Bild: Hanni nach der OP an ihrem Nasenspiegel

Hanni einige Tage nach der Entfernung des Tumors

Dann im April diesen Jahres spürte ich beim Hochheben unseres 15-jährigen weiß und silbergrau getigerten Katers Henry eine "Zecke" am rechten Oberschenkel. Bei näherer Betrachtung sah diese vermeintliche Zecke wie ein kleines schwarzes Reiskorn, das aus der Haut wächst, aus. Eine Biopsie ergab einen Basalzelltumor, der Mitte Mai 2018 ebenfalls von Herrn Dr. Eickhoff, dieses Mal unter Lokalanästhesie, vollständig entfernt werden konnte.

 

Das Plattenepithelkarzinom:

Ist ein bösartiger oft langsam voranschreitender durch Sonnenlicht ausgelöster Hauttumor (ausgehend von einem Carcinoma in situ). Besonders weiße und helle Katzen sind davon betroffen. Gefährdet sind die Hautstellen, die wenig bis gar nicht pigmentiert und kaum oder gar nicht behaart sind, insbesondere die Ohrränder, die Augenlider und der Nasenspiegel. Leider bleibt ein solcher Hautkrebs oft lange Zeit unentdeckt, da er nicht selten mit Kampfspuren verwechselt wird.

 

Je nach Lokalisation und Größe gibt es Möglichkeiten wie die der Chirurgie oder der bereits oben erwähnten PDT, bei der mittels einer nicht giftigen intravenös gespritzten Substanz das Tumorgewebe besonders lichtempfindlich gemacht und anschließend bestrahlt wird. 

 

Eine Therapie mit Imiquimod-Creme kommt am Nasenspiegel aufgrund der Gefahr des Ableckens nicht infrage. Die orale Aufnahme des Wirkstoffs kann bei Katzen zu Leberschäden führen. Außerdem führt Imiquimod zu starken Hautirritationen.

 

Die Prognose hängt vom Tumorstadium ab.

 

Unsere Konsequenzen:

Neben der bereits oben erwähnten engmaschigen Kontrolle von Hannis Nasenspiegel haben wir den Zugang ins Freigehege und auf die Terrasse ab sofort wie folgt geregelt:

 

Bei einem UV-Index (UVI) > 2 dürfen sich Hanni, Henry, aber auch Philipp nun nicht mehr dem direkten Sonnenlicht aussetzen. D.h. für die drei ist je nach Jahreszeit und Wetterlage von spätmorgens bis frühabends im Freien nur noch ein Aufenthalt in dem mittlerweile sonnengeschützten Innengehege möglich. Hierzu mussten einige Maßnahmen wie z.B. Seitenmarkisen am und Dachbespannung auf dem Innengehege, Sonnensegel, zeitgesteuerte Katzenklappe und separater Zugang für Hanni in das Außengehege getroffen werden. Ansonsten wären alle unsere acht Katzen zu sehr in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden.

 

Eine UV-Prognose ist vom Bundesamt für Strahlenschutz erhältlich.

 

Das Auftragen einer speziellen für Katzen und Hunde geeigneten Sonnenschutzcreme erschien uns jetzt in unserem Fall nicht die optimale Lösung. Entscheidet man sich aber für eine solche Creme, so sollte man auf folgende Eigenschaften achten:

  • Lichtschutzfaktor 30+
  • frei von Duft- und Farbstoffen
  • wasserfest
  • zieht sofort ein
  • mineralischer UV-Filter
  • nicht auf Ölbasis
  • für empfindliche Haut geeignet

Die Sonnenschutzcreme muss nicht explizit für Tiere ausgewiesen sein, sollte aber die oben genannten Eigenschaften aufweisen.

Bild: Henry im Innengehege

Henry im Innengehege

Bild: Philipp auf der Kratztonne

Philipp, der ebenfalls keine Pigmentierung am Nasenspiegel aufweist.

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